
Juckende Pusteln sind das Hauptsymptom der Krätze – Foto: ©chajamp - stock.adobe.com
Die Krätze breitet sich in Deutschland wieder stärker aus, die Fallzahlen nehmen zu. Verursacht wird die Hautkrankheit durch die Krätzmilbe. Der Parasit wird über engen Haut-zu-Haut Kontakt und auch beim Sex übertragen, in seltenen Fällen über kontaminierte Handtücher oder Kleidung. Hauptsymptom sind gerötete bis verschorfte Pusteln an Oberkörper und Extremitäten sowie der nächtliche Juckreiz.
Die European Academy of Dermatology and Venereology (EADV) hat jetzt ihre Behandlungsleitlinien zur Therapie der Krätze aktualisiert. Behandelt werden kann die Krätze äußerlich durch das Auftragen von Salben, Cremes oder Lotionen und/oder innerlich durch den Wirkstoff Ivermectin.
Auftragen, einwirken lassen, abwaschen
Die äußerliche Behandlung sollte auf alle Hautregionen angewendet werden, einschließlich Kopfhaut, Leiste, Nabel, äußere Genitalien, Finger- und Zehenzwischenräume und die Hautpartie unter den Fingernägeln. Die entsprechenden Mittel werden am besten abends aufgetragen, wirken 8 bis 12 Stunden ein und werden dann abgewaschen. Nach 7 bis 14 Tagen wird die Anwendung wiederholt.
Die Leitlinien geben folgende Therapie-Empfehlungen: Erste Wahl ist die Permethrin 5%-ige Creme. Sie wird von Kopf bis Fuß aufgetragen und nach 8 bis 12 Stunden abgewaschen. Die Behandlung wird nach 7 bis 14 Tagen wiederholt. Eine Alternative ist Benzylbenzoat-Lotion 10 - 25%-ig. Sie wird an zwei aufeinanderfolgenden Nächten angewendet, nach 7 Tagen wird die Prozedur wiederholt
Ivermectin wirkt innerlich
Die Krätze kann auch innerlich behandelt werden, mit dem 2016 in Deutschland zugelassenen Wirkstoff Ivermectin. Er ist als Tablette erhältlich und wird innerhalb einer Woche zwei Mal mit einem Abstand von 2 Stunden zu einer Mahlzeit eingenommen. Die Dosis beträgt jeweils 200 Mikrogramm/kg Körpergewicht.
Weitere mögliche Anti-Krätze-Mittel sind Schwefel 6-33%-ig als Creme, Salbe oder Lotion - diese wird an drei aufeinanderfolgenden Tagen angewendet - außerdem Malathion 0,5%-ige wässrige Lotion sowie Ivermectin 1%-ige Lotion. Insektizid wirkende Pyrethrine sind in einigen europäischen Ländern als Schaum-Präparat erhältlich.
Zwei Wochen nach der Behandlung Arzt-Kontrolle
Zwei Wochen nach der Behandlung sollte es eine Kontrolle beim Arzt geben. Die Therapie ist erfolgreich, wenn eine Woche nach ihrem Ende keine erneuten Hautläsionen und nächtlicher Juckreiz auftreten. Allerdings kann der Juckreiz auch nach der Heilung noch zwei bis vier Wochen anhalten. Um diesen zu lindern, können orale Antihistaminika oder milde topische Corticosteroide nützlich sein, meinen die Leitlinien-Autoren.
Nebenwirkungen sind nicht auszuschließen. Bei der äußerlichen Therapie kann es zu Reizungen oder allergischen Kontaktekzemen kommen. Permethrin ist in der Schwangerschaft und Stillzeit anwendbar und bei Kindern ab einem Alter von 2 Monaten zugelassen. Benzylbenzoat und Schwefel können ebenfalls in der Schwangerschaft angewendet werden. Ivermectin ist während der Schwangerschaft oder bei Kindern mit einem Gewicht von weniger als 15 kg untersagt. Malathion wurde bei schwangeren Frauen bislang nicht untersucht.
Wie man Krätze am besten behandelt
Bei dem Auftreten von Krätze sollten alle mit dem Patienten in engem Kontakt stehenden Personen sowie die Sexualpartner der vergangenen zwei Monate mitbehandelt werden. Kleidung, Bettwäsche und Handtücher werden bei mindestens 50 ° C in der Maschine gewaschen, chemisch gereinigt oder 1 Woche lang in einer versiegelten Plastiktüte aufbewahrt.
Tritt in Gemeinschaftseinrichtungen wie Krankenhäusern. Pflegeheimen oder Notunterkünften ein Krätzefall auf, sollten dort alle Personen unabhängig von Symptomen behandelt werden. Hier sehen die Empfehlungen für die beste Behandlung der Krätze eine Einzel-Dosis Ivermectin (200 Mikrogramm/kg Körpergewicht) vor. Es könnte sinnvoll sein, nach einer Woche eine zweite Einzeldosis zu geben.
Ansteckungsrisiko in Gemeisschafteinrichtungen größer
Wurden die Krätzmilben beim Sexualverkehr übertragen, sollten beide Partner behandelt und nach zwei Monaten erneut kontrolliert werden, damit es nicht zu einem Ping-Pong-Effekt kommt, falls die Krätzmilben nicht mit Erfolg beseitigt wurden. Die Leitlinie empfiehlt in dem Fall, auch auf andere sexuell übertragene Krankheiten inklusive HIV zu testen.
Bis die Behandlung erfolreich beendet ist, sollten Betroffene keine sexuellen Kontakte pflegen und enge körperliche Kontakt meiden. In Gemeinschaftseinrichtungen ist das Ansteckungsrisiko größer, ebenso bei häufig wechselnden Sexualpartnern.
Foto: chajamp/fotolia.com