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Wenn Arbeit krank macht

Mittwoch, 22. August 2012 – Autor: Anne Volkmann
Zu viel Arbeit, zu wenig Anerkennung, kaum Zeit für Entspannung - all das kann die Menschen krank machen. In Deutschland scheinen arbeitsbedingte Belastungen zu einem immer grösseren Problem zu werden.
Ständige Überstunden können krank machen

Ständige Überstunden können krank machen

Burnout ist nicht nur ein Modewort. Experten schätzen, dass etwa 30 Prozent der arbeitenden Bevölkerung von einer chronischen Erschöpfung bedroht sind. Einer Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zufolge fällt es Arbeitnehmern immer schwerer, nach der Arbeit abzuschalten. Zudem beklagen sie sich, dass sie oft in ihrer Freizeit arbeiten müssen, um ihr Arbeitspensum zu schaffen. Auch haben viele Beschäftigte das Gefühl, seit Jahren immer mehr in der gleichen Zeit leisten zu müssen.

Arbeit und Depression

Was zunächst nach subjektiver Empfindung aussieht, kann sich leicht zu einer ernstzunehmenden Krankheit entwickeln. Eine britische Studie hat nun herausgefunden: Drei oder mehr Überstunden verdoppeln das Risiko, an einer schweren Depression zu erkranken. Die Forscher vom University College in London und dem Finnischen Institut für Arbeitsmedizin in Helsinki sammelten über einen Zeitraum von bis zu sieben Jahren die Daten von 1626 Männern und 497 Frauen. Zunächst wurde ausgeschlossen, dass die Arbeitnehmer schon vor der Studie unter psychischen Beschwerden litten. Während der Beobachtungsphase entwickelten 3,1 Prozent der Teilnehmer eine schwere Depression. Es zeigte sich, dass diejenigen, die 11 bis 12 Stunden täglich arbeiteten, ein doppelt so hohes Risiko für eine Depression hatten wie diejenigen, die 7 bis 8 Stunden am Tag arbeiteten.

Mangelnde Anerkennung als wichtiger Faktor

Die Studienautoren können nicht genau erklären, wie Überstunden mit dem vermehrten Auftreten von Depressionen zusammenhängen, denn Arbeit an sich - auch viel Arbeit - macht noch nicht krank. Sie vermuten aber, dass der hohe Zeitaufwand für den Job zu Familienkonflikten führt, zudem wenig Zeit für Entspannung zulässt und die Konzentration von Stresshormonen im Blut erhöht. Im Jahr 2010 hatten die Autoren der Studie bereits eine Untersuchung veröffentlicht, die nachwies, dass regelmässige Überstunden auch das Risiko für Krankheiten der Herzkranzgefässe um bis zu 60 Prozent erhöhen.

Neben der steigenden Arbeitszeit ist ein weiteres grosses Problem die fehlende Anerkennung. Sie ist zusammen mit der Unsicherheit des Arbeitsplatzes einer der wichtigsten Faktoren für Stress am Arbeitsplatz. Das Gefühl fehlender Anerkennung kann durch ein schlechtes Arbeitsklima, zu wenig Zuspruch durch den Vorgesetzten oder durch ein als zu gering empfundenes Gehalt entstehen. Besonders schwierig ist es für Arbeitnehmer auch, wenn sie unklare oder widersprüchliche Anweisungen erhalten.

Wenn keine Arbeit krank macht

Arbeit kann sich aber auch positiv auf das psychische Befinden auswirken. Ein Blick in die psychotherapeutischen Praxen und die psychiatrischen Kliniken bestätigt dies: Arbeitslose Menschen sind drei- bis viermal so häufig psychisch krank wie Menschen mit einer Arbeit. Zwar könnte man einwenden, dass die Kausalität umgekehrt sei und diejenigen mit einer länger andauernden psychischen Erkrankung dann auch häufig arbeitslos werden. Doch viele Ärzte und Therapeuten stellen fest, dass Arbeit durchaus stabilisierend auf die Psyche wirken kann - wenn sie nicht überfordert.

Foto: Robert Kneschke / Fotolia.com

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