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Was neue Therapien bei metastasiertem Darmkrebs bringen

Dienstag, 29. März 2016 – Autor:
Sie heißen Bevacizumab oder Ramucirumab und sind für die Behandlung von metastasiertem Darmkrebs zugelassen. Doch Wunder bewirken die neuen Medikamente nicht, eher fallen sie durch Nebenwirkungen und extrem hohe Kosten auf.
Angiogenesehemmer wie Ramucirumab sollen die Prognose bei metastasiertem Darmkrebs verbessern. Verglichen mit den Nebenwirkungen und Kosten sind die Vorteile gering

Angiogenesehemmer wie Ramucirumab sollen die Prognose bei metastasiertem Darmkrebs verbessern. Verglichen mit den Nebenwirkungen und Kosten sind die Vorteile gering – Foto: PrettyVectors - Fotolia

Neue Medikamente haben die Behandlungsmöglichkeiten von metastasiertem Darmkrebs erweitert. Die beiden Angiogenesehmmer Bevacizumab und Aflibercept sind schon seit einigen Jahren zugelassen. Seit Anfang des Jahres steht in Deutschland mit Ramucirumab ein vergleichbares Medikament für das metastasierte Kolonkarzinom zur Verfügung. Das Krebsmittel mit dem Handelsnamen Cyramza darf nach einer erfolglosen Erstbehandlung mit einer Zweitlinien-Chemotherapie kombiniert werden. Nach der bisherigen Datenlage schneidet der neue Angiogenesehemmer ähnlich ab wie seine beiden Konkurrenten Bevacizumab und Aflibercept. Vergleichsstudien gibt es jedoch nicht, so dass die Entscheidung für oder gegen eines der Medikamente momentan dem Bauchgefühl des Arztes überlassen bleibt.

1,6 Monate länger leben mit Ramucirumab

Ein Blick in die Studienlage zeigt, dass der Überlebensvorteil durch die viel gepriesenen neuen Medikamente insgesamt eher bescheiden ist. So zeigt eine zulassungsrelevante Studie zu Avastin, dass der Wirkstoff Bevacizumab das Leben der vorbehandelten Patienten gerade mal um gut einen Monat verlängert (durchschnittliche Überlebenszeit 12,9 versus 10,8 Monate). Nicht viel bessere Ergebnisse erzielte auch die RAISE-Studie zu Ramucirumab, in der ein Überlebensvorteil von 1,6 Monaten dokumentiert wurde. Dennoch haben die geringen, aber signifikanten Unterschiede in beiden Fällen für eine Zulassung gereicht.

In die Phase-III-Studie RAISE waren 1.072 Patienten mit metastasiertem Darmkrebs eingeschlossen. Ein Teil der Patienten erhielt neben der Chemotherapie nach FOLFIRI-Schema zusätzlich Ramucirumab. Die Kontrollgruppe erhielt die Chemotherapie plus ein Placebo. Während die Überlebenszeit der Ramucirumab-Gruppe im Schnitt 13,3 Monate betrug, lag sie in der Placebo-Gruppe bei 11,7 Monaten. Ähnlich gering war der Vorteil beim progressionsfreien Überleben: Bei den mit Ramucirumab behandelten Patienten dauerte es im Schnitt 5,7 Monate bis zum Fortschreiten der Krankheit, im Kontrollarm 4,7 Monate.

Schwerwiegende Nebenwirkungen beobachtet

Den gewonnen Lebensmonat scheinen sich die Patienten dafür mit einer Reihe von schwerwiegenden Nebenwirkungen zu erkaufen. Elf Prozent der Patienten in der Ramucirumab-Gruppe, aber nur vier Prozent der Patienten in der Placebo-Gruppe mussten die Behandlung aufgrund von Nebenwirkungen wie Neutropenie, Thrombozytopenie, Diarrhö, Stomatitis und Proteinurie abbrechen. Auch Hypertonie und Fatigue traten unter der Therapie mit Ramucirumab häufiger auf. Gastrointestinale Perforationen waren eine weitere gefürchtete Komplikation.

Zwar berichten die Studienautoren, die meisten Nebenwirkungen seien mit Dosisanpassungen und supportiven Maßnahmen „beherrschbar“ gewesen. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass in die Studie nur Patienten mit einem guten oder sehr guten Allgemeinzustand aufgenommen wurden. Wie wirksam und verträglich Ramucirumab bei Patienten mit weniger gutem Allgemeinzustand ist, ist daher bislang völlig unklar.

Hohe Kosten

Hinzukommen die hohen Kosten. Eine einmalige Gabe von Ramucirumab kostet rund 4.000 Euro und damit etwa 8.000 Euro im Monat. Je nach Behandlungsdauer kommt schnell ein fünf- oder sechsstelliger Betrag zusammen. Ein sehr hoher Preis für noch nicht einmal zwei Monate Lebensgewinn. 

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin

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