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Reit- und Musiktherapien können Rehabilitation nach Schlaganfall fördern

Sonntag, 22. Oktober 2017 – Autor: Anne Volkmann
Sowohl Reit- als auch Musiktherapien können dazu beitragen, dass Patienten nach einem Schlaganfall ihre Körperfunktionen verbessern. Eine Studie konnte zeigen, dass beide Interventionen zu einer Verbesserung von Gang, Gleichgewichtssinn, Griffstärke und Kognition führen.
Reiten kann zur Rehabilitation beitragen

Patienten nach einem Schlaganfall können von einer Reittherapie profitieren – Foto: ©Jrgen Flchle - stock.adobe.com

Der Nutzen von Musiktherapien bei neurologischen Erkrankungen ist bereits recht gut belegt. So konnten Untersuchungen zeigen, dass bei einer aktiven Musiktherapie nicht nur kognitive Funktionen verbessert, sondern auch Hand- und Fußfunktionen sowie das Gleichgewicht gefördert werden. Zur Reittherapie gibt es hingegen bisher kaum wissenschaftliche Studien, die den Nutzen bei neurologischen Erkrankungen belegen, obwohl viele subjektive Erfahrungsberichte darauf hindeuten. Nun wurden beide Anwendungen in einer randomisierten kontrollierten Studie auf ihren Nutzen in der Rehabilitation von Schlaganfall-Patienten hin untersucht. Das Ergebnis: Bei beiden Therapien kam es neben einer subjektiv empfundenen Erholung zu einer nachweisbaren Verbesserung der Körperfunktionen.

Hippo- und Musiktherapien steigern die Motivation

Sowohl eine Musik- als auch eine Reittherapie können Patienten nach einem Schlaganfall daher helfen, verlorengegangene oder geschwächte Körperfunktionen zu stärken bzw. wiederzuerlangen. Dabei kann der Spaß der Patienten an den Therapien zusätzlich zur Motivation beitragen. Wie nützlich die Anwendungen sind, hat nun ein Forscherteam um Michael Nilsson von der Universität Göteborg in einer randomisierten Studie untersucht. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler im Fachmagazin „Stroke“.

An der Studie nahmen 123 Probanden teil. Dabei handelte es sich um Männer und Frauen im Alter von 50 bis 75 Jahren, deren Schlaganfall zwischen zehn Monaten und fünf Jahren zurücklag. Die Teilnehmer wurden in drei Gruppen eingeteilt. Ein Teil der Patienten nahm zweimal pro Woche an einer Rhythmus- und Musiktherapie teil. Dabei führten sie über 90 Minuten lang zur Musik spezielle Bewegungen der Hände und Füße durch. Die zweite Gruppe nahm zweimal wöchentlich an einer Hippotherapie teil. Dabei pflegten die Patienten zunächst die Pferde, bevor sie in kleinen Gruppen für 30 Minuten ritten. Jedes Pferd wurde dabei von zwei Assistenten begleitet. Die dritte Patientengruppe erhielt keine besondere Therapie.

Wie sich zeigte, konnten in der Reitgruppe nach 12 Wochen bei 56 Prozent der Teilnehmer signifikante Verbesserungen festgestellt werden. In der Rhythmus- und Musikgruppe kam es bei 38 Prozent zu Fortschritten. In der Kontrollgruppe verspürten hingegen nur 17 Prozent der Probanden eine Verbesserung.

Objektive Verbesserungen nach 12 Wochen

Die Fortschritte waren nicht nur subjektiv, sondern konnten auch durch objektive Tests bestätigt werden. So steigerten die Teilnehmer der Reittherapie sowohl im „Timed Up and Go“-Test zur Gehfähigkeit als auch in der „Berg Balance Scala“ zum Gleichgewichtssinn ihre Leistungen. Nach der Musiktherapie kam es neben einer Verbesserung des Gleichgewichtssinns auch zu einem Anstieg der Griffstärke im GRIPPIT-Test sowie zu besseren Ergebnissen im BNIS-Test zu höheren zerebralen Funktionen. Die festgestellten Fortschritte waren auch noch sechs Monate nach Therapieende vorhanden.

Bei einer Hippotherapie (Reittherapie) kommt es durch die dreidimensionalen Bewegungen des Reiters zu einer sinnlichen Erfahrung, die dem menschlichen Gang sehr ähnlich ist. Patienten mit neurologischen Bewegungsstörungen, wie sie beispielsweise nach einem Schlaganfall auftreten, erleben bei einer Reittherapie komplexe Bewegungsmuster, die sie im täglichen Leben brauchen, auf neue und ganz besonders intensive Weise. Und dies ist häufig auch für Patienten möglich, deren Gehfähigkeit stark eingeschränkt ist.

Foto: © Jürgen Fälchle - Fotolia.com

Hauptkategorien: Medizin , Prävention und Reha
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