MS frühzeitig intensiv zu behandeln verlangsamt Fortschreiten der Krankheit

Das Fortschreiten der MS könnte mit einer frühen, intensiven Immuntherapie verlangsamt werden – Foto: ©saelim - stock.adobe.com
Eine frühe und intensive Therapie mit immunmodulierenden Medikamenten kann bei Patienten mit Multipler Sklerose den Übergang der Krankheit von der schubförmigen, remittierenden Phase in die zweite, chronisch fortschreitende Phase verzögern. Das zeigt zumindest eine britische Studie unter Leitung von Dr. William Brown von der University of Cambridge.
Innerhalb von zwei Jahrzehnten nach Beginn der MS-Erkrankung wandelt sie sich bei 80 Prozent der unbehandelten Patienten von der schubförmig remittierenden in die Phase der irreversiblen Veschlechterung, erläutert Autor Tomas Kalincik von der University of Melbourne. Der Einfluss der Immuntherapeutika auf diesen Vorgang sei bislang kaum untersucht worden.
Patienten erhielten Immunmodulatoren oder Basistherapie
An der Studie, die im Fachmagazin JAMA erschien, nahmen insgesamt 1.555 Patienten mit schubförmiger MS teil. Sie erhielten entweder einen von drei Immunmodulatoren Fingolimod, Natalizumab und Alemtuzumab - oder die Basistherapie mit Interferon ß (IFN-ß) oder Glatirameracetat. Eine Vergleichsgruppe von MS-Patienten blieb unbehandelt.
Nach 5 Jahren wandelte sich die Krankheit bei 7 Prozent der ursprünglich mit einem der Immunmodulatoren therapierten Patienten in die progrediente Phase um. In der Gruppe, die anfangs Glatirameracetat oder IFN-ß erhielt, waren es 12 Prozent. Nach neun Jahren betrug die Umwandlungsrate in der Immunmodulatoren-Gruppe 16 Prozent gegenüber 27 Prozent in der Basistherapie-Gruppe.
Chronisch-progediente Phase der Krankheit wird hinausgezögert
Das absolute Risiko, nach fünf Jahren in die sekundäre, chronisch-progediente Phase überzugehen, lag bei Patienten, die ursprünglich mit Glatirameracetat erhielten, bei 12 Prozent im Vergleich zu 27 Prozent für nicht behandelte Patienten.
Bei Patienten, die anfänglich mit Fingolimod behandelt wurden, betrug das Risiko 7 Prozent im Vergleich zu nicht behandelten Patienten, deren Risiko 32 Prozent betrug. Für die Patienten unter Natalizumab betrug das absolute Risiko nach 5 Jahren 19 Prozent im Vergleich zu 38 Prozent. Bei den ursprünglich mit Alemtuzumab behandelten Patienten betrug das absolute 5-Jahres-Risiko 10 Prozent im Vergleich zu 25 Prozent.
Eskalation der Therapie innerhalb der ersten fünf Jahre
Das Risiko für das Eintreten in die sekundäre Krankheitsphase war bei Patienten, bei denen die Therapie mit Glatirameracetat oder IFN-ß innerhalb von 5 Jahren nach Beginn der Krankheit begonnen wurde, niedriger als bei Patienten, die später mit der Behandlung begannen (3 Prozent zu 6 Prozent).
Darüber hinaus war die Erweiterung der Behandlung (Eskalation) von Glatirameracetat oder IFN-ß auf Fingolimod, Alemtuzumab oder Natalizumab innerhalb von 5 Jahren nach Ausbruch der Multiplen Sklerose mit einem geringeren Konversionsrisiko (8 Prozent) verbunden als bei den Patienten, die erst nach 5 Jahren die immunmodulierende Therapie erhielten. (14 Prozent).
MS frühzeitig intensiv behandeln verlangsamt Fortschreiten
Fazit der Forscher: Fast alle Wirkstoffe haben einen messbaren, günstigen Effekt auf das Fortschreiten der Krankheit. Darüber hinaus hatte die Gruppe von Medikamenten, die am wirksamsten bei der Senkung der Rezidivraten waren, auch den größten Nutzen, wenn es darum ging, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Wurde die MS frühzeitig intensiv mit Immuntherapeutika behandelt, schien das den Krankheitsverlauf am deutlichsten zu beeinflussen.
Die Ergebnisse könnten die Entscheidungsfindung bei der Behandlungsauswahl für Patienten mit schubförmig remittierender MS unterstützen. Was die Aussagekraft der Studie ein wenig einschränkt: Die Verlaufs-Daten der behandelten Patienten stammten aus einem weltweiten MS-Register, während die Daten der unbehandelten Patientendaten aus einer einzigen Klinik in Wales stammen.
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