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Israel von dritter Impfung überzeugt

Freitag, 15. Oktober 2021 – Autor:
In Israel gelten nur noch Personen mit dritter Impfung als vollständig geimpft. Und tatsächlich sinken die Fallzahlen im Land. Das Vorgehen ist jedoch wissenschaftlich umstritten.
Israel hat als erstes Land der Welt die dritte Impfung eingeführt und schaut seither auf sinkende Fallzahlen

Israel hat als erstes Land der Welt die dritte Impfung eingeführt und schaut seither auf sinkende Fallzahlen

Rund 37 Prozent der Israelis sind bereits zum dritten Mal geimpft. Nur wer den Booster hat, gilt in Israel als vollständig geimpft und bekommt den Grünen Pass. Vergleichbar mit dem Europäischen Impfzertifikat ermöglicht der Pass den Zugang zu Restaurants, Kultur, Veranstaltungen und so weiter.

Israel hatte die dritte Impfung für über 60-Jährige am 30. Juli eingeführt. Seit dem 30. August wird der Booster allen Bürgern über zwölf Jahren angeboten. Doch müssen tatsächlich alle eine Auffrischung bekommen? Auch Teenager und gesunde Mittdreißiger?

Auf diese Daten stützt sich Israel

Labordaten aus Israel zeigten, dass die neutralisierenden Antikörper nach der dritten Impfung stark steigen. Zudem zeigten Daten, die im September im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurden, dass sich unter den dreifach Geimpften tatsächlich weniger Senioren infizierten als unter den „nur“ zweimal Geimpften. Danach sank im August durch das Dritte-Dosis-Programm die Anzahl der bestätigten Infektionen bei den über 60-Jährigen um den Faktor 11,3 und die Rate an schweren Erkrankungen um den Faktor 19,5 (im Vergleich 2 gegen 3). Unterm Strich bedeutet dies, dass der zusätzliche Schutz durch die Auffrischung um 2 Prozentpunkte anstieg und der Schutz vor schwerer Erkrankung um 0,2 Prozentpunkte.

Auch aus einem anderen Grund scheint das Vorgehen Israels auf den ersten Blick erfolgsversprechend zu sein. Seit Mitte September sind die Inzidenzen von 700 auf 144 gefallen. Infektionszahlen und auch die Lage in den Krankenhäusern ist wieder unter Kontrolle. Dass die dritte Impfung einen zusätzlichen Übertragungsschutz bietet, ist also augenscheinlich.

Übertragungsschutz nur vorübergehend

Experten wie Christian Drosten und Alexander Kekulé gehen jedoch davon aus, dass die sogenannten IgA-Antikörper, die durch den Booster auf den Schleimhäuten entstehen, nicht länger als drei Monate halten. Danach werde der zusätzliche Schutz vermutlich wieder abnehmen. Die hoch ansteckende Delta-Variante wird sich dann in einer Bevölkerung, in der jeder dritte noch nicht geimpft ist, weiter verbreiten können. Mit dem Booster wird also lediglich kurzfristig der Übertragungsschutz in der ohnehin schon geimpften Bevölkerung verbessert.

Zwei Impfungen schützen ausreichend vor Delta

Israels Strategie suggeriert, dass zwei Impfungen mit dem mRNA-Vakzin von Biontech nicht ausreichten. Doch das trifft nach Einschätzung vieler renommierter Wissenschaftler nur auf bestimmte Personengruppen zu. Dazu gehören Menschen im höheren Alter, deren Immunantwort nach der Impfung insgesamt geringer ausfällt, und natürlich Menschen mit einem beeinträchtigten Immunsystem oder die immunsupprimierende Medikamente einnehmen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt darum die dritte Impfung nur immungeschwächten Personen, Pflegeheimbewohnern, Gesundheitspersonal  und seit dem 7. Oktober allen über 70-Jährigen.

Solide Daten, dass die dritte Impfung der Allgemeinbevölkerung etwas bringt, gibt es laut dem Virologen und Epidemiologen Alexander Kekulé von der Universität Halle bislang nicht. Und so sieht es auch eine Gruppe führender Wissenschaftler. Im Fachmagazin Lancet veröffentlichten sie im September eine Auswertung der bis dato verfügbaren Studienlage.

Keine Evidenz für Booster

Demnach gibt es derzeit keine Evidenz, dass ein Booster für die Allgemeinbevölkerung anzeigt ist. Den Autoren zufolge bietet die Impfung ausreichenden Schutz vor schwerer Covid-Erkrankung, selbst bei der hoch ansteckenden Delta-Variante. Eine dritte Impfung sei darum nicht nötig, eher im Gegenteil. Es könnte riskant sein, Menschen zu schnell und zu häufig zu impfen, insbesondere mit Impfstoffen die immunvermittelte Nebenwirkungen auslösen können, betonen die Autoren, Insofern könnte das gute Risiko-Nutzen-Verhältnis sogar kippen und dem Ansehen der Impfung schaden. Die Impfstoffe sollten vielmehr ungeimpften Menschen zur Verfügung gestellt werden, raten die Wissenschaftler. Dadurch könnten wesentlich mehr Menschenleben gerettet werden.

Hauptkategorien: Corona , Medizin
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