
Mehr als 800.000 Pflegebedürftige in Deutschland greifen auf einen ambulanten Pflegedienst zurück. Wer sich gut informiert, tut sich leichter, den richtigen zu finden. – Foto: ©DOC RABE Media - stock.adobe.com
Gut drei Viertel der 3,4 Millionen pflegebedürftigen Menschen in Deutschland werden zu Hause gepflegt. Dabei greifen mittlerweile bereits mehr als 830.000 Pflegebedürftige auf einen ambulanten Pflegedienst zurück. Und die Nachfrage nach ambulanter Pflege wird in den nächsten Jahren voraussichtlich weiter deutlich steigen. Jedoch ist es für viele pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen schwer einzuschätzen, ob die mit einem Pflegedienst vereinbarten Leistungen angemessen sind und richtig durchgeführt werden. Damit dies künftig besser gelingt, hat das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) den Ratgeber "Ambulante Pflege - Gute professionelle Pflege erkennen" neu aufgelegt. Er fasst verbrauchergerecht zusammen, was aus fachlicher Sicht vom Anbieter erwartet werden kann - und was nicht.
Welche Erwartungen an Pflegedienste sind realistisch?
"Für pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen ist es wichtig, dass Pflege in hoher Qualität erbracht wird. Doch sie wissen oft nicht, womit sie tatsächlich rechnen dürfen“, sagt Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des ZQP. Viele pflegende Angehörigen fühlen sich nach einer aktuellen Studie bei ihrem Engagement alleingelassen. Der 48-seitige, kostenfrei erhältliche Ratgeber, hilft Interessenten dabei, die Leistungen ambulanter Dienste besser beurteilen zu können. „Er bietet unabhängige und qualitätsgesicherte Informationen darüber, wie professionelle Pflege aus fachlicher Sicht sein sollte", sagt Suhr.
Ethische und juristische Standards für gute Pflege
Wie professionelle Pflege aussehen sollte, ist vor allem in drei ethischen beziehungsweise juristischen Standards festgehalten. Der berufsethische Kodex des „International Council of Nurses“ (ICN) definiert Werte und das ideale Verhalten gegenüber pflegebedürftigen Menschen und ihren Angehörigen. Demnach haben Pflegekräfte vier grundlegende Aufgaben: die Gesundheit fördern, Krankheit verhindern, Gesundheit wiederherstellen und Leiden lindern. In Deutschland wird dieser Kodex vom „Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe“ (DBfK) verbreitet. Zweiter Standard ist die Charta der Rechte hilfe- und pflegebedürftiger Menschen („Pflege-Charta“). Hier geht es um Selbstbestimmung, Sicherheit und Respekt. Herausgeber dieses Leitfadens für Pflegeberufe sind die Bundesministerien für Gesundheit beziehungsweise für Familie. In einigen Bundesländern existiert als Drittes eine Berufsordnung für professionell Pflegende, die deren Aufgaben und Pflichten umreißt.
Einen passenden Pflegedienst zu finden, ist nicht immer leicht. „Es ist ratsam, mehrere Pflegedienst zu vergleichen“, heißt es beim „Zentrum für Qualität in der Pflege“ (ZQP). Die gemeinnützige Stiftung empfiehlt, bei der Auswahl auf folgende Faktoren zu achten:
Zwölf Auswahlkriterien: Was gute Pflegedienste ausmacht
- Der Pflegedienst bietet alle Leistungen an, die aktuell oder künftig benötigt oder gewünscht werden (Beispiele: eine spezielle Wundbehandlung, Versorgung bei Demenz oder Sterbebegleitung).
- Die Informationen über die Leistungen, die Qualität und die Kosten, die selbst getragen werden müssen, sind nachvollziehbar. Der Pflegedienst klärt hierüber auf, bevor ein Vertrag geschlossen wird.
- Vertragliche Vereinbarungen können kurzfristig angepasst werden, wenn der Bedarf sich ändert.
- Der Pflegedienst berücksichtigt individuelle Wünsche und Gewohnheiten (Beispiele: gleichgeschlechtliche Pflege, gewohnte Aufstehzeiten).
- Der Pflegedienst ist jederzeit erreichbar und kann schnell reagieren.
- Es kommen möglichst immer dieselben festen und vertrauten Pflegekräfte ins Haus.
- Es gibt einen festen Ansprechpartner für Fragen und Probleme.
- Grundsätze und Arbeitsweisen werden offen kommuniziert.
- Allgemein anerkannte fachliche Leitlinien und Pflegestandards sowie betriebsinterne Richtlinien werden verlässlich angewendet.
- Die Mitarbeiter sind für die jeweiligen Aufgaben aus- oder weitergebildet.
- Das Personal besteht überwiegend aus Pflegefachpersonen und ist mehrheitlich fest angestellt.
- Der Pflegedienst hat ein festes Verfahren, um auf Fehler und Beschwerden zu reagieren.
Die Stiftung ZQP rät Interessenten, bei der Vorauswahl ein Beratungsgespräch zu vereinbaren – auch um die Pflegedienstleitung und Mitarbeitende kennenzulernen. „Das Gespräch sollte am besten zu Hause stattfinden“, heißt es bei der ZQP. Hierbei könne man sich eine persönlichen Eindruck verschaffen und Fragen klären." Ein offener, informierter Austausch zwischen Pflegebedürftigen, pflegenden Angehörigen und professionell Pflegenden ermöglicht Kooperation und ist insgesamt auch eine wichtige Voraussetzung, um eine gute Versorgung zu Hause zu schaffen", sagt ZQP-Vorstandschef Suhr. Der Ratgeber der ZQP informiert deshalb auch darüber, wie man bei Problemen mit dem ambulanten Pflegedienst vorgehen kann und was – wenn man sich tatsächlich trennen muss – bei der Auswahl eines neuen Pflegediensts wichtig ist.
Checklisten für die Auswahl von Pflegediensten oder den Abschluss von ambulanten Pflegeverträgen:
- „Weiße Liste“ der Bertelsmann-Stiftung (unterstützt von der Patientenbeauftragten der Bundesregierung)
- Pflege-Checklisten der AOK
- Pflegelotse des Verbands der Ersatzkassen (vdek)
- Juristischer Ratgeber für Pflegeverträge der Verbraucherzentrale Berlin
Der Ratgeber des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) ist aktuell nicht als gedruckte Broschüre erhältlich – als PDF-Download hingegen schon.
Foto: AdobeStock/DOC RABE Media