Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt

Ärzte empfehlen Blutverdünner nach Lungenembolie

Freitag, 14. Juni 2019 – Autor:
Immer mehr Menschen kommen mit einer schweren Lungenembolie ins Krankenhaus. Doch nur jeder vierte bekommt eine Thrombus-auflösende Therapie. Dass ein Blutgerinnungshemmer indiziert ist, zeigt nun eine aktuelle Studie der Universität Mainz.
Lungenembolie, Blutverdünner

Mainzer Studie: Lungenembolien sollten mit Blutgerinnungshemmern behandelt werden (Symbolbild) – Foto: ©yellowj - stock.adobe.com

Die akute Lungenembolie ist ein potenziell tödliches Ereignis. In Deutschland steigt die Zahl der Betroffenen seit Jahren an, vor allem müssen immer mehr ältere Menschen, wegen einer Lungenembolie im Krankenhaus behandelt werden. Eine epidemiologische Studie der Universität Mainz, in der die Daten von rund 886.000 Patienten, die aufgrund einer Lungenembolie in Deutschland behandelt worden waren, zeigt – trotz steigender Zahlen - eine sinkende Sterblichkeit: Demnach nahm der Anteil der Patienten, die nach einer akuten Lungenembolie im Krankenhaus starben, von 20 Prozent im Jahr 2005 auf rund 14 Prozent im Jahr 2015 ab. Gleichzeitig zeigt die Analyse aber auch, dass nur 23 Prozent der Patienten mit schwerer Lungenembolie und instabilen Kreislaufverhältnissen eine Thrombus-auflösende Therapie (Thrombolyse) erhielten. Eine Thrombolyse erfolgt mit Blutgerinnungshemmern, die umgangssprachlich auch Blutverdünner genannt werden.

Mehr Patienten könnten von Thrombolyse profitieren

„Die Ergebnisse unserer epidemiologischen Studie bestätigen, dass die akute Lungenembolie ein häufiges und potenziell lebensbedrohliches Krankheitsbild ist. Sie deuten ferner darauf hin, dass mehr schwer kranke Patienten mit Lungenembolie von einer Thrombus-auflösenden Therapie profitieren könnten“, so PD Dr. Mareike Lankeit, von der Centrum für Thrombose und Hämostase (CTH) am Universitätsklinikum Mainz.

Studie zeigt gute Ergebnisse für den Blutgerinnungshemmer Xarelto

Ausgehend von der Annahme, dass die Gabe eines Blutgerinnungshemmers die Ergebnisse weiter verbessern könnte, legten die Mainzer Kardiologen eine weitere Studie auf. Die „Home Treatment of Pulmonary Embolism“ (HoT-PE) Studie untersuchte an Zentren in sieben europäischen Ländern, ob ansonsten stabile Patienten ohne weitere Begleiterkrankungen schon frühzeitig aus dem Krankenhaus entlassen werden, wenn sie ambulant mit einem oralen Gerinnungshemmer weiter behandelt werden. In diesem Fall handelte es sich um das Mittel Xarelato mit dem Wirkstoff Rivaroxaban. Xaraleto gehört zu den neuen direkten Antikoagulanzien, die seit über zehn Jahren eine Alternative zu Marcumar darstellen.  

Die Zwischenauswertung der ersten 525 Patienten nach drei Monaten zeigte: Die so behandelte Lungenembolie führte zu keinem einzigen Todesfall und nur drei Patienten (0,6 %) bekamen eine neue Thrombose oder Lungenembolie. Laut Studienleiter Prof. Dr. Stavros Konstantinides kann von einem positiven Ausgang der gesamten Studie mit mehr als 99,6 Prozent Sicherheit ausgegangen werden, so dass die Studie vorzeitig mit einem positiven Ergebnis beendet werden konnte.

Frühere Entlassung aus dem Krankenhaus

„Die Ergebnisse dieser Studie belegen, dass wir anhand der in HoT-PE getesteten Kriterien Patienten mit Lungenembolie und einem niedrigen Risiko sicher und zuverlässig als Kandidaten für eine frühe Entlassung und ambulante Behandlung identifizieren können“, sagt  Konstantinides. Dank dieser Strategie könnten die mit dem Krankenhausaufenthalt verbundenen Komplikationen vermieden und Behandlungskosten reduziert werden. Allerdings müssten die Patienten sehr sorgfältig ausgewählt werden, fügte der Gerinnungsspezialist hinzu.

Die beiden Studien wurden in der renommierten kardiologischen Fachzeitschrift „European Heart Journal“ veröffentlicht. Die Originaltitel lauten: “Trends in thrombolytic treatment and outcomes of acute pulmonary embolism in Germany”.

“Early discharge and home treatment of patients with low-risk pulmonary embolism with the oral factor Xa inhibitor rivaroxaban: an international multicentre single-arm clinical trial.”

Vom Bein in die Lunge

Häufigste Ursache für eine Lungenembolie ist eine Thrombose in den Beinvenen. Löst sich das Blutgerinnsel ab, gelangt es mit dem Blutstrom in die Lungenarterien. Die Patienten leiden an Atemnot und in schweren Fällen kann es zum Herz-Kreislaufversagen kommen. Ziel der Therapie ist es, den Thrombus möglichst schnell aufzulösen und weitere Lungenembolien zu verhindern.

Foto: © yellowj - Fotolia.com 

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Thrombose

Weitere Nachrichten zum Thema Lungenembolie

Aktuelle Nachrichten

Weitere Nachrichten
Die Langzeitfolgen der Corona-Pandemie machen Beschäftigten in Gesundheitsberufen besonders zu schaffen. Das zeigt eine Analyse der AOK-Nordost für Berlin. Eine Berufsgruppe ist sogar doppelt so oft betroffen wie der Durchschnitt der Versicherten.

Die Charité hat am Montag eine stadtweite Kampagne gestartet, um neue Mitarbeitende zu gewinnen. Besonders Pflegekräfte werden umworben, aber auch in Forschung, Lehre und Verwaltung sucht die Universitätsmedizin Verstärkung.

Trotz internationaler Transparenzregeln werden viele klinische Studien nicht veröffentlicht. Wichtige Ergebnisse bleiben somit verborgen. Dem setzt das Berlin Institute of Health (BIH) der Charité nun mit einem öffentlich einsehbaren Dashboard etwas entgegen.
Interviews
Einen ambulanten Pflegedienst in Berlin zu finden, ist schwierig geworden. Personalmangel ist das Hauptproblem. Dabei gäbe es relativ einfache Lösungen, sagt Thomas Meißner vom AnbieterVerband qualitätsorientierter Gesundheitspflegeeinrichtungen (AVG). Im Gespräch mit Gesundheitsstadt Berlin verrät der Pflegeexperte und Chef eines häuslichen Krankenpflegedienstes, wie man Menschen in den Pflegeberuf locken könnte und warum seine Branche noch ganz andere Sorgen hat als die Personalfrage.

Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.
Logo Gesundheitsstadt Berlin